Der Wunschzettel für Weihnachten: Das Stativ

Viele Erwachsene dürfen an diesen Tagen mit den Wunschzetteln der Kleinen sich beschäftigen. Auf dem eigenen Wunschzettel steht auch so manches, darunter in diesem Jahr wieder viel neue Fototechik, wie Marktstudien zeigen.
Doch was ist ein geeignetes Zubehör für die Kamera?

Die Werbewirtschaft ist sich immer ganz sicher, was man kaufen solle. Dabei sind jene Hersteller im Vorteil, die einen großen Werbeetat zur Verfügung haben, weil man mit den Produkten viel mehr Geld verdient als die Konkurrenz.
Deshalb sehe ich hier auf die kleineren Anbieter mit herausragender Technik und Qualität oder auf die großen und bekannten Marken, wenn man eigentlich keine Wahl hat, aber Qualität an erster Stelle steht. Dabei bleiben die Preise ein wichtiges Kriterium. Denn teurer geht eigentlich immer. Der Preis hat jedoch nichts mit „besser“ zu tun. Und da die Hersteller auch nichts davon wissen, das ich hier Produkte heraus hebe und empfehle, komme ich in keinen „Interessenkonflikt“, sondern folge allein meiner Erfahrung mit der Fototechnik.

Das erste Produkt zielt auf den Hersteller „Berlebach“.
Kennen Sie nicht? Es ist einer der wenigen Hersteller der ehemaligen DDR, die im „Westen“ immer gefragt waren. Die Stative sind aus Holz, selbstredend aus Eschenholz und werden in Mulda bei Dresden gefertigt. Ehemals hieß man Volkseigener Betrieb (VEB) „Foto-Kino-Zubehör“.
Jeder, der oder die als Fotograf und Fotografin sich ernsthaft engagiert und versteht oder Astronomie pflegt, kennt die Produkte der Firma „Berlebach“. Wer nicht, sollte die Firma “Berlebach” ganz schnell kennen lernen und sich mit Eschenholz beschäftigen.

Eschenholz ist das beste Material für Stative. Wenn trotz langer Belichtungszeiten die Kamera schwingungsfrei bleiben soll, dann gibt es kein anderes Material als Esche. Es kann Bodenschwingungen aufnehmen und diese eliminieren, so das eine Kamera frei bleibt selbst von winzigen Bewegungen. Langzeitbelichtungen oder die wiederholte Belichtung für HDR-Fotos oder Mehrfachbelichtungen sind weitaus zuverlässiger mit einem Stativ aus Eschenholz zu realisieren, als mit jedem anderen Material. (Ausgenommen sind Aufnahmen im Studio mit den entsprechenden Stativen.)

Dasjenige Stativ, das ich Ihnen von „Original Berlebach“ empfehlen möchte, trägt die Bezeichnung Report 2042. Die Modellpalette dieses Typs reicht bis zur Nummer …9043. Die Unterschiede betreffen die Arbeitshöhe und den einfachen oder zweifachen Auszug, was das Packmaß bestimmt. Hier habe ich den einfachen Auszug in der maximalen Höhe von 163 cm gewählt. Mit um 200 Euro (empfohlener VK 208,-) erhalten Sie ein herausragend gutes Produkt.
Einen zusätzlichen Stativneiger oder einen Kugelkopf brauchen Sie nicht. Das Stativ kommt ohne solches Gerät aus. Denn das besondere dieses Stativs ist die Mittelsäule, die umfasst von einer dicken, beweglichen Kugel neigbar gehalten wird. So lässt sich trotz einer schiefen Bodenfläche quasi überall die Kamera recht leicht senkrecht justieren. Die Schenkel können, wenn die Sperre überwunden wird, weit gespreizt werden für ein bodennahes arbeiten. Oder man dreht die Mittelsäule nach unten.
Wer Panoramen erstellen möchte, oder Kameraschwenks braucht, ist mit diesem Konstruktionsprinzip der beweglichen Mittelsäule klar im Vorteil. Das Neigen der Kamera nach oben oder unten gelingt bis etwa 30 Grad frei beweglich, bei ausgezogener Mittelsäule. Dabei wird die Kamera deutlich stabiler fixiert, als dies ein billiger Neigekopf von unter 150 Euro kann, der beim Festklemmen ruckt, oder eine Kamera wird durch die kleine Schnellwechselplatte nur ungenügend fixiert .

Vor einer Woche machte ich mit meinem Berlebach eine Serie von Innenaufnahmen, um diese für HDR zu verwenden. Dazu fasste ich die Kamera zwischen den Aufnahmen zum Einstellen an. Mein Stativ war maximal ausgezogen. - Machen Sie das mal mit Ihrem. Selbst mein massiveres, metallenes Stativ war für diese Aufgabe nicht meine erste Wahl.

Mit um 3 Kilogramm ist ein vergleichbar stabiles Stativ aus Metall mit gutem Neigekopf auch nicht leichter, aber fast immer deutlich teurer. - Sehen Sie mal nach einem Stativ vergleichbarer Qualität von „Manfrotto“ oder „Gitzo“ um, das dann natürlich ohne die Schwingungsdämpfung des Eschenholzes auskommen muss. (Ein für konventionelle Stative notwendiger, zusätzlicher Neiger kostet nicht nur zusätzliche Geld. Es bedeutet auch ein zusätzliches Gewicht und mehr Größe.)

Im Gegensatz zu den unscheinbaren Stativen aus Carbon werden Sie mit einem Stativ aus Holz als Fotograf ernst genommen. Das ist keineswegs ein unwichtiger Aspekt. Da müssten Sie schon mit einem Metallstativ von über 5 Kilogramm Gewicht auftauchen, damit ein vergleichbar ernsthafter Anspruch an die Qualität der eigenen Photographie sichtbar wird. (Ein gutes Stativ erleichtert an vielen Stellen schon den Zugang zu Motiven und führt immer zu schärferen Bildern, als mit einer Bildstabilisierung möglich ist.)

Es ist schon Käuferverdummung, wenn Konkurrenten das Prinzip der neigbaren Mittelsäule beginnen zu kopieren und als „Revolution“ im Stativbau anpreisen. Das Ganze dann aber aus dünnen Metallrohren, was nun wirklich nicht das Gelbe vom Ei ist.

Sehen Sie einfach mal auf die Homepage des Herstellers http://www.Berlebach.de und suchen aus dem umfangreichen Produktangebot die Serie „Report“ heraus. Darin dann die Modellreihe 1042…9043. (Leider muss man sich durch eine etwas unübersichtlich gestaltete, riesige Auswahl wühlen, weil eine Stichwortsuche nach Anwendungen nicht existiert.)
Aber man kann ja nicht alles haben. Doch ein „Original Berlebach“ sollte man schon ganz oben auf den Wunschzettel setzen.

Alternativ können Sie sich für etwas über 70 Euro ein Stativ der Marke „Bilora“ ansehen. Allerdings gibt es keinen guten und zugleich billigen Neigekopf am Markt. (Wer nun mit seinem eigenen, billigen Neigekopf kommt und mir mitteilt, man könne mit diesem „superguten“ Teil für 30 Euro „hervorragend“ fotografieren, hat keine Vorstellung von Qualität.)
Selbst ein preiswerteres Stativ, wie ein „Bilora“, kommt mit Neiger teuerer, als das Report 2042 von „Berlebach“ und ist bestimmt nicht stabiler und auch nicht schwingungsdämpfend. Oder Sie machen Abstriche an die Qualität. Doch das hat für mich schon etwas lächerliches, wenn das Kameragehäuse Richtung „Hui“ tendiert, aber Objektive und Zubehör nur „Pfui“ sind.
Deshalb schreibe ich hier nun eine Serie von Empfehlungen für den Wunschzettel, der über das Weihnachtsfest hinaus reicht.

© 2007 Adrian Ahlhaus. Alle Rechte beim Autor.

2 Responses to “Der Wunschzettel für Weihnachten: Das Stativ”

  1. marco Says:

    ich bin seit monaten stiller leser - möchte mich an dieser stelle aber einmal ausdrücklich für die fundierten und gut geschriebenen artikel bedanken! falls es etwas bringt: ich kann die berlebachs auch wirklich ausdrücklich empfehlen. genug der werbung - weiter so!

  2. Landschafts-Makrofotografie ohne Stativ! » zoomyboy Says:

    [...] Vollgepackten Lowepro und auf den Schultern das Stativ ((Gedanken über Eschenholz Stative von Adrian Ahlhaus)) mit 3D Neiger, und dann ein längerer Marsch durch Wald und Wiesen. Und wie ich das Stativ [...]