Bilder schützen

Die Diskussion über die Haltbarkeit von Fotos ist schon dadurch fortwährend im Gange, weil die Hersteller von Druckertinten und -papieren nicht müde werden ihre Marketingabteilungen anzuhalten, gegen alle realistischen Annahmen mit praxisfremden und daher unrealistischen Zeitangaben ein über Generationen hinweg haltbares Produkt, ob Tinte oder Papier, zu propagieren. Obwohl bereits vielfältig und fachkundig gegen diese Werbebotschaften angeschrieben wird, werden immer auf ein neues die Köpfe der Verbraucher erreicht und mit unhaltbaren Versprechen gefüllt.

Dabei gibt es seit Jahrzehnten weitreichende, praktische Erfahrungen mit dem Schutz von Bildern, Zeichnungen und Drucken.
Zwei allgemeine Probleme sind Teil der bewährten, konservierenden Maßnahmen von Bilderahmern. Und diese Erfahrungen sind offensichtlich übertragbar auf die Ausdrucke von Fotos mit Pigment- und Dye-Tinten.

Noch vor Jahren stand allein das allmähliche Verblassen der Fotos im Fokus der Diskussion, insbesondere die zerstörerische Wirkung des UV-Lichtes. Dabei lässt sich die UV-Stabilität von Druckertinten relativ einfach messen. Ausdrucke werden einem vielfachen der zu erwartenden UV-Belastung ausgesetzt und die Ergebnisse hochgerechnet auf Jahre. Es blieb und bleibt bei solchen Darstellungen nicht unbeachtet, dass das UV-Licht je nach der Präsentation höchst unterschiedlich belastend wirkt, somit nur Anhaltspunkte darüber gegeben werden können, wie im Einzelfall und auch nur wahrscheinlich das „Fading“ der Tinten ausfällt, bis Farben soweit verblasst sind, dass dies sichtbar wird.
Vor allen anderen schützenden Maßnahmen stand als Schutz gegen die zerstörerische Wirkung des UV-Lichtes der Einsatz von UV-Schutzglas im Blick der Kunden. Dabei hatte sich jedoch schon vor Jahren gezeigt, dass die schützende Wirkung solchen Glases weit jenseits des Realen übertrieben dargestellt wurde. (Die Versprechen der Hersteller und Verkäufer wurden mit der Wirklichkeit verwechselt. - Bei Ladenpreisen von 460 Euro pro Quadratmeter muss das niemanden erstaunen, denn wer ein höchst lukratives Produkt verkaufen kann, wird dies entsprechend anpreisen.)
Die andere Maßnahme ist weitaus billiger. Sie wurde und wird von Künstlern angewendet. Es handelt sich um das „Fixativ“. Mit diesem Sprühfilm werden zum Beispiel Kreidezeichnungen und Aquarelle gegen Verwischen geschützt. Das „Fixativ“ hat sich bewährt auf Künstlerpapieren und bei Tuschen, Kreiden und ebenso als Oberflächenschutz bei Drucken. Jeder Bilderrahmer nutzt „Fixativ“. Es schützt nicht nur gegen UV-Licht und gegen einen mechanischen Abrieb, es verleiht den Bildern zusätzlich eine wirksame Resistenz gegen Feuchtigkeit und eine seidenmatte bis matte Oberfläche.

Man muss es ausprobieren.
Da der Umgang mit „Fixativ“ mir bereits seit Jahren vertraut ist, habe ich zu Beginn des Jahres einen Ausdruck damit behandelt, um eine Unbedenklichkeit für Ausdrucke meines Druckers zu erfahren. Selbstredend kann solch ein Versuch keinerlei Angaben über die jahrzehntelange Haltbarkeit des Oberflächenschutzes von Ausdrucken bietet. Jedoch, in der Verbindung von bereits vorhandenen Erfahrungen mit Drucken aus der Industrie, mit Künstlerpapieren, sowie den höchst unterschiedlichen Farben, wie diese von Künstlern verwendet werden, mag mein Versuch etwas über die Verträglichkeit von Druckerpapier und Druckertinte mit dem Fixativ aussagen, kann Anhaltspunkte bieten, wie ein kostengünstiges und bereits bewährtes Vorgehen aussehen kann.

Als Grundlage für den Sprühfilm dient ein ausreichend lange getrockneter Ausdruck. Das heißt, mindestens eine Woche sollte ein Ausdruck abtrocknen können. Dann erst ist die Restfeuchte verschwunden. Danach wird das Papier im Kreuzgang zügig besprüht. Es bedeutet, über das Papier in einer Richtung die gesamte Fläche dünn anzusprühen und danach noch ein Mal quer zur Sprührichtung. Eine halbe Stunde muss die Oberfläche abtrocknen, um griff-fest zu sein. Man sollte die Oberfläche mehr als eine Stunde abtrocknen lassen, um den Ausdruck problemlos handhaben und weiter verarbeiten zu können.
Mein Versuch erbrachte einen Ausdruck, der über die Monate dem Licht ausgesetzt keine Veränderungen gegenüber dem lichtgeschützt verpackten Vergleichsbild zeigt.

Das dritte Problem zur Haltbarkeit von Ausdrucken ist die Kunststoffoberfläche von Druckerpapieren. Anders als beim klassischen Fotopapier auf Silberbasis sind die eingelagerten Farbtinten und Pigmente bei weitem nicht nicht so stabil wie Bildsilber.
Die Kunststoffoberflächen der Druckerpapiere unterliegen ebenfalls einem Alterungsprozess, ausgelöst durch die bereits in der normalen Luft enthaltenen Gase, die auf die Stabilität der eingelagerten Farben negativ wirken. Diese negativ wirkenden Prozesse werden bei den Angaben zur Haltbarkeit von ausgedruckten Fotos nicht berücksichtigt, weil so etwas überhaupt nicht zu testen ist.
Das Fixativ, ich verwendete ein Produkt der Firma „Lukas“, schützt die Oberfläche gleich auf vielfältige Weise, wohl auch gegen Gase. Die Sprühflasche gibt es im Schreibwarenhandel, aber sicherlich da, wo mit Künstlerbedarf gehandelt wird.

Um meine Ausdrucke in andere Hände zu geben, scheint mir dies eine bereits bewährte, preiswerte und sichere Methode zum Oberflächenschutz zu sein. Kunden schätzen es, wenn ihnen ein einfacher und praktischer Schutz angeboten wird, der weder den Zeitaufwand bedingt, noch die Kosten einer Laminierung verursacht. Fotografen können mit diesem Verfahren ihre frei hängenden Bilder schützen und ebenso jene Ausdrucke, die häufiger angefasst werden.

© 2007 Adrian Ahlhaus. All rights reserved.

4 Reaktionen zu “Bilder schützen”

  1. Fotoprints konservieren - simple und billige Methode - FOTOGRAFIE

    [...] Adrian geht in seinem Blog sehr ausführlich darauf ein wieso man Fotoprints konservieren sollte und stellt eine kostengünstige und simple Methode vor. [...]

  2. marco

    danke für den artikel.

  3. Thomas

    Vielen Dank, sehr interessant. Ziehst du deine Bilder für die Präsentation auf Karton auf?

    Hallo Thomas.
    Das tat ich noch vor einigen Jahren. Mittlerweile hänge ich ausschließlich in Rahmen und empfinde ein Passepartout als die schönste Art einem Bild einen zusätzlichen Wert zu verleihen. Eine Rahmung mit kartonstarkem Schrägschnitt hat eine edle Anmutung.

  4. Ausdrucke fixieren

    [...] Erinnerungen lebenslang aufbewahren zu können, wird den Menschen auch von der Druckerindustrie vorgegaukelt. Dabei enthält das Licht einen ebenso aggressiven Bestandteil, das UV-Licht. Wie man seine Ausdrucke doch ein wenig haltbarer machen kann, beschreibt Adrian Ahlhaus. Jeder Bilderrahmer nutzt „Fixativ“. Es schützt nicht nur gegen UV-Licht und gegen einen mechanischen Abrieb, es verleiht den Bildern zusätzlich eine wirksame Resistenz gegen Feuchtigkeit und eine seidenmatte bis matte Oberfläche. [...]