Gedanken über die Erweiterungen von der Foto- zu Videokamera.

Abbildungen sind Abbildungen sind Abbildungen sind Abbildungen, möglicherweise in der Reihung von Bildern ein Geschichten erzählendes Verfahren, das als Film und Videoclip die Aufmerksamkeit der Zuschauer fesselt – und damit recht zuverlässig eine längere Betrachtungszeit verspricht. Beim Ansehen eines Fotos heißt es Top oder Flop, in zumeist weniger als einer Sekunde; der Fotograf, die Fotografin steht mit seinem Bild kurz im Interesse der Aufmerksamkeit.
Dagegen ist den bewegten Bildern eine fast magische Funktion mitgeben. Bewegte Bilder fesseln den Blick von Betrachtern, unabhängig davon wie gut oder schlecht in Bildern erzählt wird. Hierbei wird ein zuverlässig funktionierender Automatismus der Hirnfunktion aktiv, dem man sich nur sehr schwer entziehen kann.
Ein Mal hingesehen möchte fast jeder Mensch wissen, wie eine Geschichte zu Ende geht.
Und da nun wirklich jeder Hersteller für bildgebende Konsumgüter für die Kaufentscheidung des eigenen Produkts Erfolg und Prestige verspricht, darf es nicht wundern, dass Anbieter möglichst ohne eigenes, kostenintensives Zutun bestrebt sind Produkte zu lancieren, die in irgendeiner Weise von selbst funktionieren. So kommt mittlerweile jedes Gerät, von Handy bis Spiegelreflex, schon mit dem Wechsel auf den relativ billigen und für Video bestens geeigneten CMOS-Bildsensor und einer Technik daher, die mittels Hard- und Software zumindest zusätzlich Bild an Bild an Bild reihen kann.

Dass das gute Erzählen einer Geschichte, selbst wenn diese im Inhalt, dem Plot nur dürftig ist, nach bildtechnischem Aufwand, ausgefeilter Vorbereitungen, einem durchdachten Set und einer präzisen Darstellung verlangt und damit weit über die simple Aneinanderreihen von 30 Bildern je Sekunde hinaus geht, eben deutlich mehr als nur ein käufliches Produkt notwendig ist, wird ahnungslosen Kunden nicht vermittelt.
Und diese, insbesondere Jüngeren fügen meist nur eine einzige positive Eigenschaft ihren filmischen Produktionen hinzu, die dann einige Male darüber hinweg hilft zu erkennen, wie dürftig das Verständnisse über bewegte Bilder und wie minderwertig der technische Aspekt jener selbst produzierten Clips ist.
Diese Produzenten bringen viel Begeisterung mit, sowie Unkenntnis in ihre filmischen Projekte ein, entdecken dabei gelegentlich selbst im Alltäglichen nie zuvor gesehene Inhalte, nutzen unbefangen eine neue Erzählweise, die die meisten kommerzielle Produktionen wie den lauwarmen Aufguss längst erkalteten Kaffees erscheinen lassen, haben damit nicht selten alles Recht auf ihre Seite, ihre Geschichte zu erzählen.
Jedoch wird dieses frisch-fröhliche Erzählen und unkonventionelle Produzieren mit jeder Wiederholung zum sinnentleerten Versuch die kurzfristige Aufmerksamkeit eines Zuspruchs von ehedem wieder zu erreichen.
Ein zweiter oder gar dritter Aufguss funktioniert nur mit gutem Tee, der aus der Meisterhand recht alter und erfahrener Menschen stammt.

Wer hätte in der Aufbruchstimmung der letzten Jahre geahnt, dass die endlose Aneinanderreihung von Fotos trostlos spießiger Dia-Vorführungen durch die digitale Technik noch getoppt werden könnte?

So war es mal: Spätestens nach dem fünften projezierten Diafoto hatte man eine Vorstellung, was in den folgenden 71 zu sehen sein wird. Dermaßen vorbereitet konnte man im Dunkel der Vorführung getrost in einen befreienden Schlaf versinken und beim Aufwachen – ohne Kommentar war es unmöglich sich zu verabschieden – gegenüber den Gastgebern äußern: Ja, es gibt immer etwas zu entdecken, was kongenial zu solchen Bildfolgen passt.

Heute steht dafür die Diskrepanz, mit welch einem Stolz viele Mittvierziger ihre nagelneue, hoch gerüstete digitale Spiegelreflextechnik eingesetzt haben, um jeden bildgewohnten, verständigen Betrachter erblassen zu lassen, angesichts der peinigenden Unbeholfenheit, mit der die Eigner von teuerster Gerätschaft ihr Ich-will-auch-Projekt präsentierten.
Der bereits erkaltete Kaffee wird heutzutage schlicht kalt serviert.
Dummerweise kann ein Betrachter – Dank sei der digitalen Technik und ihren Anbietern – dem Ansehen müssen nicht mehr durch Zurückhaltung entziehen, da die Zeiten dunkler Vorführräume unwiederbringlich vorbei. So wie digitale Produkte nur 0/I kennen, zwingt es die Betrachter zu Ja oder Nein – eine menschlich unbarmherzige kalte Zeit ist über uns gekommen.
Dabei wäre angesichts der unendlich vielen Videoclips nichts nötiger denn je, als darüber hinweg zu schlummern. Doch immerhin, die Mühsal ist nun beiderseits gleich hoch. So haben alle etwas vom digitalen.

Derweil verfällt die Gemeinschaft bildproduzierender Menschen, jüngerer wie älterer, umso deutlicher dem Zwang zumindest ein Mal für ein paar Minuten ein Star der allgemeinen Aufmerksamkeit gewesen zu sein, um dann abgeladen in den unendlichen Weiten von Internet und Speichermedien zu enden.

Die Hersteller der digitalen Bildtechnik haben ihr Versprechen von Erfolg und Prestige auf ungeheure Weise wahr gemacht.
Und weil selbst den einfältigsten Zeitgenossen nicht entgeht wie schnell die eigene, originelle und Aufmerksamkeit erzeugende Produktion der Vergangenheit anheim und in Vergessenheit fällt, wird nun neuere Technik angestrebt zu erwerben, in dem Glauben, das diese den Schöpfungsakt erneut in Kraft setzt, aus dem sich erfolgreich erfrischend Neues produzieren ließe. Halbwegs erwachsene Menschen paupertieren mit dieser Annahme zu Kindern, denen neues, teureres Spielgerät zu neuen Glücksmomenten verhelfen soll.

© 2009 Adrian Ahlhaus. Alle Rechte beim Autor.

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