“Lightroom” hier - “Lightroom” da - Wie aus Nichts eine News wird

In der Werbung gibt es ein probates, höchst wirksames Konzept: die Wiederholung der Botschaft. Das Konzept verlangt nach einer ausgesprochen penetranten Art der Werbung. In Zeitschriften und von Werbetafeln, im Fernsehen und Internet wird das beworbene Produkt sichtbar. Das macht zur Zeit der Autobauer “Toyota” mit seinem Corolla-Ersatz-Produkt. Und dies dermaßen nervend, dass man meinen mag, hier sei das Auto neu erfunden worden.
Doch auch in der Softwareindustrie geht man diesen Weg. “Adobe” hat eine monatelange Kampagne am laufen gehalten mit einem geschickten: “Wir fragen die künftigen Kunden”. Nach den Angaben der Firma haben “Hunderttausende” als kostenlose Beta-Tester sich mit dem unfertigen Produkt vertraut gemacht oder besser: herum geschlagen. Und nun ist es da, das Produkt “RAW-Konverter”, das es in recht ähnlicher Funktionsvielfalt und Ausführung bereits seit Jahren am Markt gibt.
Natürlich ist bei Adobe’s “Lightroom” alles “professionell”. Dabei wird vornehm verschwiegen, dass der professionelle Markt recht klein ist und schon seit Jahren von besseren Produkten beherrscht wird. Doch das entgeht denjenigen, denen Adobe die Augen nun “öffnet”, für das noch fehlende Profi-Equitment.
Wer jedoch fotografiert beruflich, ohne als allererste Investition eine hervorragende Software zur Bildbearbeitung, zumindest für das Konvertieren der Bilddaten zu erwerben? Wer das anders herum macht, erst die Kamera und dann nach der passenden Software sucht, kann kein Profi sein.

Ich erlaube mir zu meinen einen ganz brauchbaren Überblick über den Markt habend, das neue Produkt einordnen zu können.

Nachdem über Monate die Leute neugierig gehalten wurden, bietet man nun eine Software jenen an, die, wenn man der Werbebotschaft glauben möchte, mit dem Kauf des Billigheimers “Lightroom”, für wenige hundert Euro jeden zum “Profi” werden lässt. - Doch lassen Sie zumindest zur Zeit die Finger von diesem Produkt, denn es gibt bereits jene Software, die höchste Qualität nicht nur verspricht, sondern auch bietet.
“Lightroom” ist als RAW-Konverter erhältlich und wird die Bildbearbeitung “Photoshop” nicht ersetzen, sondern soll diese ergänzen für zur Zeit 199,- US$, später angeblich für 299,-. Die Kaufpreise für tatsächlich professionelle Produkte bewegen sich jedoch in anderen Regionen. Die Software der ersten Wahl kostet zum Beispiel, 879,- Euro (SilverFast DCPro Studio PhotoProof), oder 549,- Euro (Capture One PRO + iView MediaPro). Wer beruflich Portraits macht, kann auch auf das System von Kodak zu greifen und bezahlt für alle Software-Module runde 1000 Euro, der dazu gehörende DIN A4 Drucker von Kodak kostet um 1500.

Nicht, dass ich nicht erkenne, dass “Lightroom” auch Stärken hat, etwa die Tonwertkorrektur, oder die Integration der Bilder in eine Datenbank mit einer Bearbeitung, die mit Respekt die originalen Bilddaten bewahrt, zugegeben, alles ganz vernünftig bei diesem Programm: auf den ersten Blick.
Doch machen wir uns nichts vor, die Schwäche von “Abobe Photoshop” war bisher die mittelmäßige Schärfefunktion, was nichts anderes bedeutet als die Fähigkeit mit Kantenkontrasten nicht optimal umzugehen. Und wenn das nicht bestens ist, dann kann auch die Rauschminderung nicht wirklich gut sein. Mit diesen Schwächen hat wohl auch “Lightroom” noch zu kämpfen. Ich erinnere an Beta-Tester, die dies bemängelten. Gerade für Nutzer von “Photoshop” gibt es spezielle Schärfefilter, die dem Programm auf die Sprünge helfen bei “www.fineartprinter.de”. Kurz, gerade jene Funktionen, die ein Amateur für die kleinen Bildsensoren dringend braucht (APS-C und kleiner), werden nicht bestens bedient.

Und genau dieser Mangel an Qualität scheint bei den nun überall auftauchenden Tutorial’s zum ersten käuflichen Release weiterhin erkannt zu werden.
Erstens ist es doch recht merkwürdig wer und wo überall ausführliche “Tutorial’s” auftauchen. Natürlich hat die erfolgreiche Werbekampagne die entsprechende Aufmerksamkeit erzeugt und niemand kann sich den Wünschen der Leserschaft entziehen und nicht berichten - ich auch nicht -, doch die überall aufgelegten Tutorials sind mir verdächtig ähnlich, als das da nicht eine grundlegende Handschrift bereits vorgelegt wurde. (Es schreibt sich dann viel schneller.)
Zweitens kann man über Schwächen hinwegsehen, in dem man mit dem Finger nicht auf die problematischen Bereiche zeigt. Es sind ja auch keine Tests, sondern Berichte, die der Leserschaft die Funktionen nahe bringen sollen. Das es dabei überhaupt nichts neues gibt, geht im Schwall der Berichterstattung einfach unter. Schon der “RAW-Shooter-Premium” von Pixmantec sah ähnlich aus, hatte ein ähnliches Bedienungskonzept (wurde von Adobe aufgekauft) und wohl von diesem Produkt stammen die meisten Ideen.
Doch nun ersetzen in der Werbung und den Tutorials die bunten Bildchen die ernsthaften Vergleiche mit der Konkurrenz.

Dann vergleich ich: Bei “Lightroom” ist die Druckausgabe, vieles andere ebenso, längst nicht so umfangreich und präzise wie bei Silverfast DCpro Proof, die Konturen sind nicht so ordentlich wiedergegeben wie bei PhaseOne. - Auf die schnelle, und nur die ersten, sichtbaren Eindrücke.

Übrigens, beide von mir herausgehobenen Produkte gibt es in abgespeckten Versionen zum Ausprobieren, wobei ich persönlich empfehlen möchte die Silverfast DC-VLT-Version genauer anzusehen. Darin ist bereits alles enthalten, was jeden Amateur zufrieden stellen kann, denn was funktioniert, das funktioniert erstklassig. Eben solches möchte ich auch über die kleine Version von PhaseOne schreiben. Die echte Alternative zu den beiden Produkten findet sich bei “Sinar”. Doch das ist wohl eher etwas für jene, die ein Digitalback des Herstellers nutzen (wie ich). Oder man hat berechtigterweise das noch relativ neue “Aperture” für MAC OS im Blick, das Programm, das für Adobe wohl als Vorbild herhielt.
Wenn man gerade für kleine Sensoren eine RAW-Konvertierung sucht, die darüber hinaus mehr kann, dann ist bei den Kompaktkameras weiterhin “HeliconFilter” sehr brauchbar. Aber auch “Bibble” kann mit Qualitäten aufwarten, die den kleinen Sensoren auf die Sprünge helfen.

Wenn nun überall die Leute auf “Lightroom” blicken, dann wird, aus meiner Sicht, die Konkurrenz der wirklich professionellen Produkten davon nicht betroffen, denn deren Käuferkreis bleibt klein und hat gänzlich andere Ansprüche an die Qualität, die bereits seit mehreren Jahren erfüllt wird, nur nicht bei bei der Firma Adobe, wenn es um die RAW-Konvertierung und eine anständige Schärfefunktion geht.
Sparen Sie sich Ihr Geld für ein vernünftiges Programm, denn “Lightroom” ist zwar hip, doch zur Zeit keineswegs die beste Wahl, es sei denn beim Marketing, aber das zeichnete schon den Erfolg von Photoshop aus.

(c) 2007 Adrian Ahlhaus. Alle rights reserved.

8 Responses to ““Lightroom” hier - “Lightroom” da - Wie aus Nichts eine News wird”

  1. jhkiel Says:

    danke für diesen beitrag,
    stehe gerade vor der frage für welches programm ich mich entscheiden soll,
    und wäre evt. auch auf die werbung hereingefallen.

    stellt sich nun also weiter die frage: was kaufen?

    für den mac evt. aperture?
    gibt es da schon erfahrungen?
    und wie sieht es mit nikon capture aus?

    ciao hank

  2. BDX Says:

    Kein Wunder, dass dich das Schärfen in LR stört. Diese grässlich kaputt geschärften Bilder, wie sie in deiner Galerie zu finden sind, bekommt man damit nur schwer hin.
    Schade, dass du konsequent dazu neigst, die an sich tollen Motive und Fotos derartig zu überschärfen.

    Aber-Hallo von Adrian: Zwischen Internet und meinem Job gibt es einen Unterschied. Nett das die Fotos gefallen, andere finden gerade diese grässlich. Irgend was ist also immer falsch oder auch alles. Allerdings mach ich mittlerweile gar nichts mehr um irgendwie gut anzukommen. Nicht mal mehr beim Fotografieren. Der Artikel kommentiert die erste Version, und wie sich herausstellte lag ich mit meinem ersten Eindruck richtig, denn mit dem ersten Update von Lightroom wurde die Schärfequalität überarbeitet.

  3. pfn.photo Says:

    Interessanter Beitrag. Die Konkurrenzprodukte habe ich bis auf aperture noch nicht ausprobiert. Beim Vergleich Aperture vs. Lightroom (damals beide noch v1) konnte ich mich nur für lightroom entscheiden, da es exorbitant schneller war.

    Zum Thema Schärfen: Ich nutze die Schärfefunktion in Lightroom absolut NIE! Und zwar weil ich das Programm dafür nicht brauche. Ich nehme in Lightroom nur die Bildauswahl und die grundlegende RAW-Entwicklung vor, alles weitere und die Endausgabe erfolgt eh in Photoshop. Es interessiert mich allerdings was es an der Unscharf maskieren Funktion in Photoshop auszusetzen gibt? Beispiele? Muss ich mir wohl auch mal die von dir angesprochenen Konkurrenzprodukte ansehen.

  4. Adobe Lightroom™ und die Alternativen - PHOTOS OF NO CONSEQUENCES Says:

    [...] ich habe mir wie Adrian Ahlhaus schon einige Gedanken zu diesem Thema gemacht. Angefangen hat alles damit, als ich die Ergebnisse [...]

  5. Happy Shooting - Der Fotopodcast - Fotografie » Blog Archive » #071 - Selber atmen Says:

    [...] Gegen den Strom: Lightroom nicht professionell? [...]

  6. Raven Says:

    Grundsätzlich mal ist Photoshop eine Bildbearbeitung, die nicht für Photografen gemacht wurde, weswegen die Scharfen-Funktionen auch nicht ein primärer Kaufgrund für die Software sind. Als Grafiker muß ich sagen, daß es kein Produkt gibt, das mir eine vergleichbare Arbeitsumgebung liefert. Desweiteren ist es wohl eher ein unsinniger Äpfel-Birnen-Vergleich ein 200 EUR Produkt (Einführungspreis) mit 800 EUR Produkten zu vergleichen. Hier sollte man realistisch bleiben und seine Erwartungen im Zaum halten. Das weiß Adobe sehr wohl, weswegen der Verkaufspreis der Software weiter unten angesiedelt ist. Ansonsten ist Lightroom in aktueller Version (mal abgesehen von der gerade zurückgerufenen 1.4) eine recht solide Software, die ich in Verbindung mit Photoshop und entsprechenden Filtern nutze.

    Alles in allem ein schlechter Test unter unrealistischen Bedingungen in dem eine erste Version eines Programms mit alteingesessenen in höheren Preisregionen verglichen wird und dabei die selbe Leistung erwartet wird. Recht sinnlos.

  7. Adrian Ahlhaus Says:

    @Raven
    Soso, “unrealistisch” weil angeblich weitaus teurere Programme mit der ersten Version verglichen worden seien. Die typische Aufgeblasenheit von jemandem der auch mal gelesen werden will? Die Verkaufspreise begannen bei 69 Euro und höher und das teuerste Programm hat in der Version für 99 Euro exakt die Merkmale der Schärfung, die auch eine der großen Version hat. Außerdem hatte ich an vielen Stellen bereits geschrieben das Photoshop speziell für Grafiker entwickelt wurde (ich habe 1995 mit Photoshop in einem Grafikstudio gearbeitet) und bin für meine Aussage das PS weniger gut für Fotografen geeignet sei ebenfalls recht häufig als “Unwissend” oder “Ignorant” oder anderes hingestellt worden. - Wie ich auf meiner homepage schrieb: wer seine eigene Meinung wiederfinden will ist hier vollkommen falsch -

  8. Raven Says:

    Soso, “Aufgeblasenheit”. Nett. Angebracht wäre mit dieser Reaktion wohl auch der Satz:
    “Wer Kritik üben möchte oder seine Meinung sagt, ist hier vollkommen falsch”.

    Danke aber für Deine Reaktion.

    Schönen Tag und weiterhin viel Erfolg. :]