Große Drucker für zuhause = Fine-Art-Printing?
“Fine-Art-Printing” ist eine Klasse für sich auf dem Bildermarkt. Es liefert Ausdrucke in einer Kombination von erstklassiger Bildbearbeitung und Drucktechnik mit bester Handwerkskunst, die anzusehen zum Erlebnis wird. Wer möchte daran nicht beteiligt sein?
Allein die Qualität der Ausdrucke nach Maßgabe von “Fine-Art-Printing” wertet gewöhnliche Motive auf. Wen mag es da noch verwundern, wenn immer mehr Fotografierende daran teilhaben wollen? Die Hersteller von Druckern kommen dem zunehmend entgegen mit neuen Modellen von großformatigen Druckern jenseits des DIN A4 Formtes.
Da ist es dann wieder, das Gefühl des alten Fotolabors, jene Erregung, die mit dem Erscheinen von ersten Bildspuren im Entwicklerbad zu erleben war, die Spannung, ob alles so wird, wie man es schon bei geschlossenen Augen gesehen hat - Das eigene Bild, dass niemand sonst so entstehen lässt.
Dazu, für “Fine-Art” braucht man einen Drucker für ein großes Format, DIA A3 oder größer, einen Stapel besten Papiers der Marken Hahnemühle, Crane, PremierArt, Harmann, Arches, Monochrome, Lumijet, Sihl oder anderer, braucht volle Tintenpatronen und eine Auswahl vorbereiteter Bilddaten.
Doch auch hier, bei der digitalen Technik, ist es wie zu Zeiten des stumpf und sauer riechenden Fotolabors, man muss sich vorab schon entscheiden, zumeist gezwungener Maßen, denn die Ausstattung für Fine-Art-Printing ist exzessiv teuer, wenn es nach den Protagonisten der Kunst geht. Und wie so oft: Recht haben diese und auch wieder nicht.
Zurecht weisen sie darauf hin, das nur mit guter Technik und gutem Material von Tinte und Papier der hochwertigen Ausdruck möglich ist. Unrecht habe sie, wenn “Fine-Art” erst bei den Formaten über DIN A4 beginnt, man mit Größe klotzen kann. Hat nicht das Berliner “Museum für Fotografie” eine Auswahl von Bildern des Fotograf James Nachtwey in kleineren Formaten präsentiert? (Die Ausstellung läuft bis zum 20.05.d.J). Sicherlich, hierbei geht es nicht um Fine-Art-Printing an sich, doch Nachtwey schon deshalb nicht zu den großen Fotografen zu zählen? Nur weil für’s Format bei ihm gilt “weniger ist mehr”, was auch eher Nachtweys Auftreten entspricht.
Also, halten wir fest, Bilder werden durch Größe nicht besser, aber “Fine-Art-Printing kann die Qualität der Bilder besser zur Wirkung bringen, und sei es auch nur die technische Seite eines Bildes, besser als dies mit einem Großlabor möglich ist.
Doch dazu bedarf es vieler Handarbeit. Dies ist eine der schönsten Seiten an der Photographie: Man nimmt etwas in die Hand und sieht, wie daraus etwas neues entsteht. Das ist echtes Handwerk.
Doch bis dahin ist ein langer, und auch ein steiniger Weg zu gehen. Denn tatsächlich ist die “Vereinfachung” der Technik des Bildausdrucks einerseits für die Verbreitung der Drucker maßgeblich -wer besitzt keinen foto-fähigen Drucker? - und zugleich wird die simple Handhabung mit Voreinstellungen gefördert, die den weit verbreitetsten Bildgeschmack einer Region zum Vorbild nimmt. (Mitteleuropa hat eine anderen Vorstellung von den Merkmalen eines “guten” Bildes als Nordamerika.)
Als ich in einem Seminar davon sprach, dass “Hauptsache bunt und scharf” für viele Leute der Maßstab für ein gelungenes Foto sei, fühlten sich einige der Teilnehmenden sichtlich unangenehm berührt.
Dem schlechten Geschmack kommen die Hersteller entgegen mit “Foto”-Druckern, die alle schon vorab die Bilddaten aufbereiten durch das Verstärken des Kantenkontraste, Anheben der Farb-Sättigung und eine Veränderung von Schwarz- und Weißpunkten. Die Steigerung lautet: noch schärfer, noch bunter, noch mehr Lexmark/HP/Epson/Canon - Der Erfolg gibt ihnen im wirtschaftlichen Sinne recht.
Deshalb machen die neuesten Drucker für den Consumer-Markt häufig wenig Freude, wenn man die Ergebnisse kritisch beäugt. Man kann diese Drucker auf so etwas wie eine “neutrale” Bildwiedergabe nicht einstellen. Da kommt eines zum anderen. Die Kameras für “Consumer” folgen dem Geschmack von “Bunt und Scharf” und die Drucker setzen noch eins drauf. (Das Blau des Himmels kann niemals blau genug sein -)
Preiswerte Drucker für größere Formate, DIN A3 und größer, kommen spartanisch daher. Ihnen fehlt jene Software, die eine feinste Abstimmungen möglich macht. (Schon die Wahl der Papieroberfläche eines Herstellers verändert die Farbwiedergabe deutlichst. Jene Drucker, die sich kalibrieren lassen, kommen in einer eigenen Preisklasse daher.) Die preiswerten, großen Drucker, ab €350, haben nicht selbstverständlich eine gute Papierführung für alle Formate, und verarbeiten die schweren Papierqualitäten nicht wirklich gut, sind üblicherweise für den Ausdruck auf Rollenware nicht geeignet. Auch bleibt die Tinte auf weniger Farben beschränkt und ist bei einigen Herstellern von einer technisch schlechteren Qualität, dafür dann aber auch billiger. (Nur bei HP gibt es keine Wahl. Alle bekommen die superteure, hauseigene Pigment-Tinte namens “Vivera” verpasst. Drucker für andere Tinte gibt es nicht mehr im Programm. Trotzdem sind die kleineren, neueren Geräte mit einer automatischen Software für “gute Bilder” belastet.)
Dafür haben die großformatigen Drucker von HP, wie auch die der anderen Hersteller den Anspruch, Geräte zu sein, die richtig bedient sein wollen. In ihnen sind keine Programme zur Verschlimmbesserung der Bilder zu finden - noch nicht.
Die höherwertigen und teuren Druckern, hier gilt zur Zeit der Epson R 2400 als Maßstab für den Heimanwender und für Qualität bei den DIN A3+ Druckern, lassen sich umfangreich per Software auf die Arbeitsbedingungen und Wünsche abstimmen, erfordern dabei jedoch gute Kenntnisse der digitalen Prozesssteuerung. Sogenannte ICC-Profile kalibrieren diese hochwertigen Drucker, die es schon ab € 750 gibt. (Der Tintensatz kann aber auch mal eben über € 100 kosten.)
Bei der Wahl der Tinten sollte man zwar auf Qualität setzen, schon damit die Ergebnisse, wenn notwendig, saubere und satte Farben zeigen und auch wiederholbare Bilder möglich sind - wenn nötig sehr bunt, doch von Bild zu Bild identisch, trotz eines Wechsels von Patronen. Jedoch, es bleibt zu bedenken, dass entgegen der vollmundigen Werbesprüche die Wahl der Papierqualität einen weitaus größeren Einfluss auf die Anmutung eines Bildes hat, als die Wahl zwischen hochwertigen Dye- und Pigment-Tinten. (Ich höre die Proteste, doch gebe ich zu bedenken: Die letztendlich beste Qualität bleibt ein fortwährender Streitpunkt zwischen Experten und Herstellern: Die Frage, ob an K3 nun auch “XY” heranreicht oder etwas besser sei. Persönlich empfinde ich K3-Tinten für S/W besser, aber nicht für Farbe und die von Canon kenne ich nicht aus praktischer, eigener Erfahrung.)
Drucktechnisch ist es für ein größeres Format eher nebensächlich, von welcher Größe die Tintentröpfchen sind, ob 1 oder 4 Picoliter, ebenso welche Druck-Auflösung ein Druckkopf bietet, ob 1200 oder 4800 Dots per Inch. Viel wichtiger ist die Eingangs-Auflösung, mit der ein Drucker die Bilddaten rechnet. Die Bedeutung dessen ist vielen Amateuren gänzlich unbekannt, weshalb die Angaben von DPI und Tröpfchengröße als Verkaufsargument herhalten können. (Dagegen, die Zahlen zur Eingangsauflösung wird man bei Home-Printern bis DIN A4 suchen müssen, falls überhaupt Angaben gemacht werden.)
Vollkommen abseits des Blicks der Amateure ist die Präsentation der Bilder. Zwar nutzt man Rahmen zum Hängen, doch schon die förderliche Wirkung eines Passepartouts ist zumeist unbekannt. (Man sehe sich mal einen Schrägschnitt bei einem kartonstarken Passepartout an, dass ein Bild rahmt.) Und wenn ein Album aufgeschlagen wird - na, ja.
Über die Beleuchtung der Bilder wird gar nicht gesprochen. Dagegen lassen betuchte und qualitätsbewusste Verbraucher sich zu einem UV-Schutzglas überreden zu Preisen von über € 250 je Quadratmeter. (Vor einigen Monaten las ich, dass die Schutzwirkung solchen Glases vollkommen unbedeutend ist für die Haltbarkeit von Bildern. Wenn ich recht erinnere nahm man Bezug auf die Quelle “Wilhelm Imaging Research”. Nur wo im Web das stand - vielleicht weiß ein aufmerksamer Leser oder Leserin mehr.) Kurz gesagt: Man kann den Leuten alles verkaufen, wenn nur das Stichwort “professionell” fällt und der Geldbeutel reicht. Das gilt auch für das “Fine-Art-Printing”.
Damit sind wir bei den entscheidenden Vorgaben für jene, die sich auf den Weg machen zum Fine-Art-Printing.
Erst kommt sicherlich die Entscheidung, wie groß man zuhause drucken können will. DIN A4 bietet schon weitaus mehr Format, als fast alle Fotografierende überhaupt in einem Labor bestellen. Und für hochwertige Ausdrucke reicht das auch, denn Format hat nichts mit Qualität tun, wohl aber mit Präsenz, die sich mit Passepartout und Rahmen ebenso wunderbar erreichen lässt, und zusätzlich eine hochwertige Anmutung erzeugt.
Dann stellt sich die komplexe Frage der Druckqualität. Hier entscheidet die Wahl des Papiers, wie man weiter vorgeht. Wer hoch-weißes Papier und auch noch Hochglanz bevorzugt drucken möchte, wird sich naserümpfenden Fine-Art-Printern gegenüber stehen sehen.
Tatsächlich macht eine hochglänzende Oberfläche den Eindruck der Brillanz, doch ist es für die Präsentation weniger geeignet, weil nun die Spiegelungen des Umgebungslichtes die Wirkung eines Bildes abhängiger macht eben von diesem Licht. Matte Papiere ohne optischen Aufheller verlangen jedoch nach Tinten, die tiefdunkle Töne erzeugen können. Dies gelingt mit Pigment-Tinten weitaus besser. Allerdings, die Entwicklung der Oberflächen von Papieren geht weiter, was bedeutet, dass es möglich wird immer höhere Tintenmengen zu Papier zu bringen, was den Dye-Tinten ebenso entgegen kommt.
Ein wichtiger Bereich des “Fine-Art-Printing”, quasi das Paradepferd, ist der Druck von schwarz-weißen Bildern. Solche Bilder leben von der feinsten Differenzierung der Grautöne. Das gelingt mit den Pigment-Tinten deutlich besser, denn die erreichbare Maiximaldichte, das ist der Schwärzungsgrad liegt etwa bei D 2,6. Das schafft viele Möglichkeiten, auch auf mattem Papier zwischen Weiß und Schwarz jeden wichtigen Tonwert wiederzufinden, den ein Motiv bietet. Farbstoffbasierte Dye-Tinten hören etwa bei D 1,8 auf (- bin mir jetzt nicht ganz sicher). D 1 bedeutet einen Kontrast von 1:10, D 2 sind 1:100 und D 3 bietet 1:1000. Das klassische Silbersalz-Fotopapier kam über D 1,7 nicht hinaus. (Solf, 1988). Somit sind die so abwertend behandelte Dye-Tinte in ihrer Tiefenzeichnung durchaus mit dem alten Foto vergleichbar - in diesem Punkt.
Und damit sind wir bei der Frage: Was ist “Fine-Art-Printing”? Es ist der Anspruch mit handwerklichem Wissen und Geschick digitale Bilder so gut als möglich zu Papier zu bringen. Die Größe der Bilder ist dabei überhaupt nicht wichtig. Auch die Anmutung des Papiers spielt eine Rolle. Es greift sich voluminös, ist schwer und verzichtet auf optische Aufheller. Die Bilder haben eine weißen Rand - zumindest ist es der Trend für die “besseren” Bilder.
Wichtig ist, erst dann zufrieden zu sein mit den ausgedruckten Bildern, wenn alles, was man kann dazu beigetragen hat, eine erreichbare Qualität sichtbar zu Papier zu bringen.
Von daher kann Jeder oder Jede sich auf den Weg machen zum guten Bild, selbst, wenn man nicht fotografiert sollte. Solche eine berufliche Tätigkeit nannte man Fotolaborant oder-laborantin. Heutige Firmen für die Herstellung von Fotos sind als “Druckdienstleister” bekannt, doch die wirklichen Spezialisten vor Ort, in jeder Stadt, die fehlen.
Aber dann wäre das schöne Gefühl des selbst hergestellten Fotos mit handwerklichem Anspruch weg. Man kann zumindest Spezialist in eigener Sache werden, bei den eigenen Bildern. Und das macht ganz entscheidend jenen Reiz aus, der sich die Freunde des “Fine-Art-Printing” verschrieben haben.
(c) 2007 Adrian Ahlhaus. All rights reserved.
Februar 28th, 2008 at 04:02
[...] Tinte zu kaufen, neuen Drucker kauft (hat schon den 5. Drucker daheim!). Das ist bei Lexmark und Co. naemlich billiger als die Patronen zu wechseln. Erstens macht der Druckerhersteller dadurch auch [...]
März 9th, 2008 at 04:03
[...] Druckvolumen ist bis jetzt auch bei mehr als tausend Seiten > angelangt. > Kann es vielleicht sein, dass deine Komiltonen versucht haben > sollten, > ganze Bücher an einem Stück mit diesem Drucker [...]
März 9th, 2008 at 16:02
[...] nicht genau, was Sie damit vorhaben. Wenn Sie den aber > ernsthaft fuer Fotoausdrucke einsetzen werden, darf ich Ihnen > ganz herzlich davon abraten! > Nicht dass die Qualitaet des Druckers oder der [...]
März 23rd, 2008 at 20:01
[...] normalerweise die Steinzeit-Geräte mit Thermo-PAPIER-Rollen. (Die, > die man nach ner Woche nicht mehr lesen kann). Leider falsch. “Thermodruck” verfärbt das Papier durch Erhitzen ohne [...]