Bildbearbeitung – schnell, einfach und zugleich effizient?

Im Job ist die Schnelligkeit mit der Ergebnisse vorgelegt werden nicht so selten von Vorteil. Denn in den letzten Jahren sind die Ansprüche von Kunden immens mehr gewachsen. Heute fotografieren und schon morgen die ersten bildlichen Ergebnisse vorliegen sehen, das entspricht insbesondere den Wünschen derjenigen, die von der handwerklichen Arbeit in der Photographie keine Kenntnisse haben, für die eine Aufnahme bereits die ganze Arbeit darstellt.
Dass man als Fotograf oder Fotografin ein Archiv anlegt, mit Ablagesystem und Verschlagwortung, ist den Kunden eher egal. Es klingt nicht nur nach mehr Arbeit, sondern auch nach zusätzlichen Kosten, die man als Kunde gerne umgehen möchte – eine Aufnahme, ein Bild. Schön wär’’s. Aber so geht es nun mal nicht zu, sollen die Fotos nicht in einem riesigen „digitalen Schuhkarton“, auf einer Festplatte, verschwinden. (Aber erkläre das mal einer den einfach gestrickten Kunden.) Nun gut. Man sitzt dann eben an der Ausarbeitung und macht den „Schreibkram später.

Der Vorteil eines jeden Handwerks – und das ist die Photographie im allgemeinen – besteht darin einen systematischen Arbeitsablauf zu nutzen. Der „Workflow“ sollte schon eingehalten werden. Es erleichtert die Effizienz des beruflichen Arbeitens, die sich nicht nur im Aufnehmen von Bildern erschöpft.
Zum Beruf gehört die Festlegung auf das digitale Werkzeug, das meist unsichtbar bleibt. Schon der fortwährende Wechsel zwischen ähnlichen Werkzeugen wäre sehr hinderlich, wenn man zu gleichbleibend guten Ergebnissen finden will.
Um es anschaulich zu machen: wer mit den Kameras verschiedener Hersteller fotografiert hat es schwerer. Hier X, da Y und für andere Anlässe zur Marke Z greifen? Dabei wird man sich wohl kaum in die Tiefen von Kameramenüs begeben können, ohne verwirrt zu sein. Es ist beim Fotografieren nützlich ohne hinzusehen die richtigen Schalter und Knöpfchen zu finden. Und dann bleibt noch das nicht geringe Problem, dass die Geräte sich unterschiedlich verhalten. Wie genau belichtet eine Kamera in bestimmten Situationen und welche Farben reproduziert die andere? Wenn man ausreichend Zeit hat dann mag eine solche Umstellung, mit Abstrichen, noch bewältigt werden.
Doch spätestens in der Nachbearbeitung wird es wirklich kompliziert, dann, wenn nicht „aus der Kamera“ ausgedruckt wird, wenn die Presets einer Software neu ausgetüftelt werden müssen. So etwas ist bei fotografischen Arbeiten im Beruf nicht die Regel oder sollte es nicht sein. Eher geht das bei Hobbyisten, die sich dafür die Zeit nehmen wollen (können).
Der Idealfall für den schnellen Arbeitsablauf ist das immer gleiche Studiolicht mit recht ähnlichen Motiven, wie dies bei Passbildproduzenten der Fall ist. Eine halbe Stunde später hat der Kunden nicht nur seine Bildchen, sondern auch schon bezahlt und eine Archivierung findet nicht statt. Prima für jeden Kunden, wenn das die Ansprüche befriedigt.

Ansonsten, schon bei den schnellsten Bildjournalisten, werden die Bilder von der Speicherkarte in eine Software übergeben und dabei zumindest automatisch mit Datum und Copyright archiviert. Solche Bildverwaltungen können recht zeitaufwendig werden, wenn Orte mitsamt GPS-Daten, Kategorien, Schlagworte und besondere Vermerke das Wiederfinden von Bildern in überschaubarer Zeit unter zehntausend Aufnahmen möglich machen soll. Die Bilder müssen dabei allerdings auch noch gesichtet und sortiert werden. Und die Datenbestände sind sicherlich auch von gelegentlichen Missgeschicken zu bereinigen. (Wer schon möchte der Assistenz etwas zum frechen Feixen bieten?)
Bilder werden nicht nur ausgesucht, verglichen, gedreht, beschnitten und konvertiert. Obwohl, schon das kostet Arbeitszeit, manches Mal viel Zeit. Und nun stelle man sich vor das der virtuelle Leuchttisch nicht mehr mit der gewohnten Lupe funktioniere, sondern ganz anders, weil eine andere Software genutzt wird. Jetzt soll jedes Bild zuvor über einen Schieberegler erst noch vergrößert werden. Nebeneinander gestellte Bilder gibt es vielleicht gar nicht mehr. Das ist ziemlich lästig.

Wer mit recht unterschiedliche Bildbearbeitungen arbeiten möchte, weil man nur die in den Tests heraus gestellten „Stärken“ einer Software nutzen will, wird dieses Durcheinander und mehr zu bewältigen haben. Es ist als wühle man sich bei jedem Wechsel auf ein Neues durch die Menüs von Kameras. Wenn bei dem einen Programm die perspektivische Verzerrung mit Schiebereglern funktioniert, ist bei einem anderen diese Funktion über den „Griff“ an die Bildecken realisiert. Ein Klonpinsel hier funktioniert nicht wie der eines anderen Programms. Jeder Hersteller hat da seine eigenen Lösungen – und, sie bestehen alle zurecht.

Doch während bei den Bildverwaltungen noch leicht einsichtig ist das zwei unterschiedliche Datenbanken von verschiedenen Herstellern nebeneinander betrieben keinen Sinn machen, kann man bei Bildbearbeitungen schon das Gefühl haben mit einer „kleinen“ und einer „großen“ Lösung gut aufgehoben zu sein. Dem möchte ich gar nicht widersprechen. Aber – denken sie vorab darüber nach, bevor sie sich für die Software entscheiden

Führen wir und das Probleme genauer vor Augen. Nicht nur im beruflichen Alltag werden Fotos deshalb bearbeitet, weil man lediglich nur Änderungen vornehmen will, sondern man hat schon vorab eine Vorstellung davon was geändert werden soll und wie dies zu bewerkstelligen ist. Es ist eine Frage an die Fähigkeiten, an die bereits mitgebrachte Kompetenz. Und diese wächst mit den Erfahrungen bei jedem Fotografen und jeder Fotografin. Was man vor drei Jahren bearbeitet hat … nun ja, so manches würde man heute anders machen.

Also gibt es nach der Aufnahme zwei grundsätzlich unterschiedliche Vorgehensweisen. „Shot and Print“, das heißt von der Speicherung zum Ausdruck oder sogar direkt aus der Kamera heraus zum Papierbild finden, und dann den aufwendigeren Weg über eine Bildbearbeitung für den späteren Ausdruck.
Im ersten Fall sind selbst einfache Bildverwaltungen (EBV, “elektronische Bildbearbeitung”), wie das kostenlose „Picasa“ bereits geeignet. Für die umfangreichere Bildbearbeitung (EBB, “elektronische Bildbearbeitung”) braucht man ein Programm mit mehr Funktionen. Doch dazwischen kann eine Software zur RAW-Konvertierung liegen. Ob man diese nutzt oder mit einer Bildbearbeitung seine Ideen realisieren kann, das ist seltener eine unbeeinflusste Entscheidung. Man muss über die fachlichen Fähigkeiten verfügen, um nebeneinander liegenden, konvertierte Bilder beurteilen zu können, was sicherlich bei nicht so wenigen Unsicherheiten erzeugen wird. Und dann sind da immer die wohlmeinenden Freunde und fachlichen Redakteure, die scheinbar genau wissen, was für solche Aufgaben unbedingt Not tut.
Allerdings, jede Software ist eine Modeerscheinung. Ob ein Hersteller in zehn Jahren noch existiert oder dessen Software bei der Bildbearbeitung dann ganz andere Schwerpunkte setzt? Das einzige was Sie und ich wissen kann jenes sein, was in unmittelbarer Zukunft mit den eigenen Fotos geschehen soll. Und, „kleine“ Lösungen gibt es in den Bildbearbeitungen eigentlich nicht, nur zu teuer erkaufte.

Jede Software zur Bildbearbeitung braucht eine Einarbeitungszeit. Nicht wenige Stunden wie in der Werbung versprochen, nicht nur Tage, sondern reale Wochen an Arbeit. Wenn keine Geduld oder Zeit vorhanden ist, dann verabschieden Sie sich von der Idee die eigenen Fotos „irgendwann einmal“ zu bearbeiten. Bildbearbeitung ist wie Basteln, man braucht Geduld, innere Ruhe und viel, viel Zeit um zu guten Ergebnissen zu kommen.
Schon wer die Katalogisierung seiner Bilddaten immer wieder aufschiebt wird nie über die einfachen Funktionen einer Bildbearbeitung hinaus kommen. Ich sehe dabei einen dieser „Könner“ vor mir. Zu Hause die große Version von Adobe Photoshop auf dem Computer, aber über die Grundfunktionen geht es nicht hinaus. Ein befreundeter Grafiker ist hier nicht gemeint. (– Er liest gelegentlich meinen Blog.) Stundenlanges darüber Reden, über Stärken und Schwächen und die vielen, vielen Filter, das sind nichts als bunte Federn an der Hutkrempe. Es rüstet für Forenpalaver, nur nicht für reale Aufgaben.

Zwei Dinge lassen sich sagen: Eine einzelne, beherrschte Bildbearbeitung führt immer schnell zu Ergebnissen, im Vergleich zum Herumstümpern in verschiedenen Programmen. Jene Wahl einer Software zur Bildbearbeitung ist besser, die im Zusammenwirken mit der Hardware auch dann noch verstanden wird, wenn man nicht jeden Tag einige Stunden daran zubringt. Es gibt jene „große“ Programme, die allerdings nur Sinn machen, wenn die Hardware dazu passt und die Kompetenz mit am Tisch sitzt.

Wer im Job steht ist immer konservativ und setzt auf bewährtes. Dann geht die Arbeit am schnellsten. Erst wenn eine Software völlig ausgereizt ist macht die Investition von Zeit und Geld überhaupt Sinn.
Doch womit anfangen? Es gibt mehrere Einstiege in die Bildbearbeitung, aber keine „kleine“ Lösung. Es gibt preiswerte und teure, und es gibt individuelle. Darüber möchte ich in einem der nächsten Beiträge schreiben.

© 2008 Adrian Ahlhaus. Alle Rechte beim Autor.

One Response to “Bildbearbeitung – schnell, einfach und zugleich effizient?”

  1. Diverses Entmüllen und Sortieren | USmith Blog Says:

    [...] verteilt. Darauf gekommen bin ich, weil ich in meinem Feedreader einen sehr interessanten Artikel (Bildbearbeitung – schnell, einfach und zugleich effizient?) fand, in dem es auch um das Thema Fotos ‘taggen’ ging. Ich bin gespannt auf die [...]