2 Jahre - Und was hat es gebracht?

Zwei Jahre. Jene selbst gewählte Zeit in der ich Erfahrungen mit einem Blog sammeln wollte sind vorbei.

Warum bloggen?
Es lag nahe von Beginn an aktuelle Themen einzubinden. Also schrieb ich meine ersten Beiträge - probeweise. Im September 2006 entstand: „Vom schnellen Sterben einer digitalen Kamera (Verfalldatum Akkus)“
und Anfang Oktober „Photokina 2006 – Ausblick in die Zukunft“
in der ich wohl als erste Stimme den Unsinn eines Wettbewerbes der Megapixel kritisierte. (Den selben Text zur Photokina könnte ich für die diesjährige, ereignislose übernehmen.)

Das Blog war nicht angemeldet, noch war meine Website in die Suchmaschine eingetragen. Es war ein gutes Gefühl, denn meine ersten Erfahrungen in einem Internetforum mit Hobbyisten waren eher gemischt.
Für das Blog sollte es im wesentlichen eine Richtung geben: meine Beiträge sind ein Angebot, keine Aufforderung zum Dialog wie in einem Forum. - Zugegeben, das macht wenig Freunde, denn Mitreden heißt sich näher kommen. (Allerdings, einige Kommentar haben mich gefreut und ein Beitrag führte zu einer langen Diskussion bei „Banale der bedeutsame Fotos machen“.
(Solche Beiträge sind mir wichtig und im Kommentar war der Ton entspannt. Noch mal meinen Dank an Martin Schmidt. Obwohl, die Diskussion führte ich eher zu schnell auf eine verkürzte Argumentation. Aber so ist das, wenn komplexe Fragestellungen nicht zum Buch mutieren sollen.)

Ansonsten lernte ich in den letzten zwei Jahren wie selbstverständlich man überall auf Unzufriedene stößt. Das Internet scheint mir ein großes Sammelbecken derjenigen, die immer auf ein neues bereit sind bei neuen Werbebotschaften das eigenes Geld wegzugeben. Man kann auch sagen: geschickte Werbung wird mit Geld belohnt, unabhängig von den käuflichen Tatsachen. Zwar lernen „die Leute“ daraus und werden böse, aber ziehen zumeist keine Konsequenzen - die Naivität bleibt und wartet auf die nächste mit Illusionen angefüllte Botschaft. (Man werfe mir bitte keinen Zynismus vor.)

Ohne jede Übertreibung ist festzustellen: Meine Sicht auf die Photographie ist originär, aber nicht originell. Es ist schon deshalb eine andere Stimme, da mir Lösungen nahe liegen die aus beruflicher Erfahrung kommen. Dabei bleibe ich bei den Themen die viele zu bewegen scheinen.
So war und bin ich immer wieder erstaunt mit welchen Problemen die Hobbyisten zu kämpfen haben. Es liegt auch daran, dass jede automatisierte Technik zugleich neue Problem schafft. Der selbstverständliche Gebrauch beispielsweise des Autofokus ist schon deshalb notwendig, weil die kleinen Sucherbilder der Kameras für das APS-C Format nicht geeignet waren (2006) und auch heute weniger geeignet sind, um manuell sicher scharf zu stellen. Back- oder Frontfokus, falsch liegende Schärfeebenen; Fehlfunktionen unter bestimmten Lichtbedingungen, bei wirklich lichtstarken Objektiven…
Entgegen der Werbeversprechen das alles einfacher werde, müssen alle Fotografierende mit der heutigen Technik nicht nur auf technisch bedingte neue Problem gefasst sein. Nein, es gilt weiterhin so schnell mitzudenken, wie man auslöst. Und das geht immer schneller. Vor allem für jene ist dies ein Problem, die mithilfe von Automatiken im Sekundentakt ihre Fotos machen. Die Fähigkeit zu wissen wann das gute Bild „im Kasten“ ist verkümmert. Dabei ist Selbstkritik, zu wissen was man macht, eine Grundlage jedes Handwerks.
In meinen Einführungskursen, die vom Blog ergänzt wurden, legte ich zu Beginn großen Wert auf die Mischung von Fototechnik und fotografische Gestaltungslehre. Erst mit der Hälfte eines Kurses wurden technische Probleme nebensächlich. Es war meine Antwort auf die Mythen der Fotoindustrie, die sich selbst feiert und beispielsweise vermitteln möchte das allein ihre aktuellen Techniken zu guten Bildern befähigen. Wenn ich den Teilnehmern dann mitteile, wie wenig die mitgebrachten Kameras mich interessieren, weil eine Bildgestaltung nicht an bestimte Kameratechniken gebunden ist… - Tatsächlich, man muss es den Leuten sagen.

Allmählich füllte sich mein Blog mit Beiträgen zu Inhalten quer durch alle Gebiete der Photographie. Die Beiträge zur Fototechnik wurden zu Dauerläufern, boten sogar gelegtlich Kaufberatung, beispielsweise zur grundsätzlichen Entscheidung, ob man unbedingt eine Spiegelreflexkamera brauche oder mit einer Bridgekamera gut bedient sein kann, siehe den Dauerläufer „DSLR vs. Bridge, Teil I“ und später „Teil II“.

Ein anderer Beitrag kritisierte die unsinnigen Angaben zur Haltbarkeit von Fotopapier. Über 100, ja sogar von über 200 Jahren wurde gefaselt und reihum geschrieben. Jede Redaktion übertrumpfe die anderen mit erstaunlichem „Wissen“. Dazu musste ich etwas sagen -
Großes Entsetzen, betroffenes Schweigen und nach wenigen Wochen eine Serie von Publikationen mit neuen „Test-Ergebnissen“. Welch unfachliches Geschwätz zuvor publiziert wurde? Das hatte die Leserschaft möglichst schnell zu vergessen.

Andere Themen waren theoretischer Natur und galt für einige Leser und Leserinnen als ziemlich „abgehoben“.
Was immer wieder irritierte: Die eindeutigen, schnellen Antworten sind nicht meine Sache, denn es gibt sie im allgemeinen nicht. Zugegen, fast jeder meiner Beitrag war eine Verkürzung des Themas. Dabei konnte, so hoffe ich, deutlich werden wie viel mehr zu bedenken wäre – Schrieb ich einen meine ganz langen Beiträge, dann fanden dieser selten Zustimmung. Tatsächlich scheinen viel zu glauben, dass es immer nur „einfache“ Fragen gibt. Und ich Frage zurück, was das sein soll. Die Antwort kann nur heißen, dass Fragesteller annehmen man verstehe ihr persönliches Problem.

Beispiel: Wie hell sollte der Sucher einer Spiegelreflexkamera sein? - Da kann ich nur denken: Oh nein…
Meine Antwort in Stichworten: Wie hell hat ein „heller“ Sucher zu sein? - Helle Sucher und lichtstarke Objektive sind unter bestimmten Bedingungen ein ernsthaftes Problem und in der Praxis wenig nützlich.
Wie eine kurz formulierte Frage in eine knappen Antwort umsetzen? Zumeist kann ich einen eigenständiger Beitrag zu solchen Fragen schreiben. Und den lesen wiederum all jene nicht die überzeugt sind man könne schnell mal eine Frage stellen und nach 3 Sätzen ist alles klar.

Trotz allem, die Besucherzahlen nahmen zu. Nach nur wenigen Wochen (ab Oktober 2006) wurde meine Seite bekannter, dabei noch immer ohne Einträge in Suchmaschinen. Dazu verhalf mir Thomas Maschke, der leitende Redakteur von www.photoscala.de.
Dieser nach meiner Maßgabe beste deutschsprachige Online-Nachrichtendienst zur Photographie -selten ist jemand schneller; niemand unterscheidet eindeutiger zwischen Pressetexten, eigener Schreibe und Kommentaren- übernahm gelegentlich meine Beiträge in das sonntägliche Angebot.
Es waren nie unumstrittene Inhalte, schon deshalb nicht, da die Gefühle enthusiastisch entblödeter Hobbyisten mich nicht kümmere. (Man sollte Nachsicht mit ihnen haben… im persönlichen Umgang.)

Insgesamt interessierte mich das allgemeine Geschimpfe zu meinen Beiträgen nicht ernsthaft. Um im Internet schnell bekannt zu werden, darf man kein Blatt vor den Mund nehmen. Und das liegt mir -wenn ich auch mal über das Ziel hinaus schieße. Es funktionierte. Nach nur drei Monaten wuchs das Interesse an meinen Blogbeiträgen und an meiner Website von 20 auf über 130 Leser (Sessions) pro Tag.

Ab 2007 schaute ich nach links und recht und nahm andere Blogs in die Blogroll. Es entstand eine übersichtliche Bandbreite höchst unterschiedlichen Autoren, fotografischer Stile und Inhalte. Es ergaben sich Kontakte. (Allerdings, persönliche Nähe ist für mich keine so selbstverständliche Sache, was man mir als Defizit entgegen halten mag.)

Wer meine Beiträge zur technische Entwicklung und zu den Produkten liest mag mir glauben, dass die Anbieter für mich unwichtig sind. Selten halte ich Produkte für herausragend gut und schreibe dies.
Aber immer dann tauchen Döspaddel auf, mit ihrer Aversion gegen ein selber Denken, die Inhalte meiner Beiträge verkehren oder unsinnig verkürzen, während sie diese in Foren tragen. (Da sind sie wieder, meine ersten Erfahrungen mit Foren.)

Als Beispiel dafür wie ich ein technisches Themen angehe und die Reaktion darauf: Es gibt seit ein paar Wochen die Fujifilm S100F zu kaufen, eine Bridgekamera. Bei ihrem Erscheinen hob ich die Bildqualität dieses Modells hervor. In einem Forum werde ich zitiert. Jemand rennt los und kauft diese Kamera. Anschließend erhebt er im selben Forum seine Klage, wie unzureichend die Optik sei. Nun. Diese Bridgekamera hat keineswegs eine schlechtere Optik, als bei jenen Objektiven vorzufinden ist, die als Immerdrauf-Superzoom für Spiegelreflexkameras so beliebt sind. Dabei ist die gesamte Kamera mit ihren vielfältigen Funktionen wenig teurer, als eine einzelne, wechselbare Optik. - Aber solch eine hatte diese schrille Stimme zuvor wohl nie in Händen gehalten, geschweige ausprobiert. In der Wahl derjenigen Kameras mit kleinem Bildsensor, einer fest verbauten Optik und mit großem Brennweitenbereich gibt es weiterhin kein dermaßen ausgewogenes, allgemein brauchbares Aufnahmegerät, das ist meine Meinung, die vielfältig von anderen gestützt wird. Darin ist diese Fujifilm der ehemals verkauften Sony R1 ähnlich.
Die hatte den großen Nachteil vom falschen Hersteller angeboten zu werden. Was bei Sony nach kurzer Zeit nicht zum Renner des Publikum avanciert, landet als Ausverkaufsware umgehend auf dem Grabbeltisch. (Die derzeitig ernsthaften finanziellen Probleme der Marke sind also hausgemacht. - Niemand bietet ein dermaßen preisüberhöhte und unstete Modellpolitik wie Sony und verärgert die Käufer.)

An diesem Beispiel wird deutlich wie gering auch hier (Foren und Hersteller) mein Chancen sind neue Freunde zu finden.

Was nutzt ein Blog?
Vor wenigen Tagen las ich erstmals im Text eines großen Internet-Magazin den ernsthaften Hinweis auf allgemein dezentrierte Optiken. Dies Problem reiche bis zu den Spitzenobjektiven. - Na geht doch, der Hinweis kommt mir sehr vertraut vor - hatte so formuliert, dachte ich mir, denn zwei Mal wies ich in meinen Beiträgen auf die Probleme mit den recht häufig schlampig zusammen gebaut Objektive hin.

Sehe ich mich als Einzelkämpfer, als „Stimme der Getäuschten, Entrechteten“? Nein. Ein Kommentator wollte mich offenbar persönlich treffe, glaubte mich als Michael Moore der deutschen Fotoszene enttarnen zu können. Das steht nun wohl auf immer im Internet. Das ich im Gegensatz zu Moore mit meiner Meinung nicht auf die Vermarktung ziele ist ein deutlicher Unterschied.
Bin ich mir selbst gefällig? Da ist und bleibt die Wahrnehmung der Leserschaft. Und diese setzt ganz andere Maßstäbe.
Gegen eine Pauschalkritik steht meine Fotografie: Ich sehe meine Fotos und ss ist mir bewusst was ich kann und wo ich stehe. (Die Kursteilnehmer und Seminaristen erhalten ihren unmittelbaren Eindruck mit vorgelegten Bildern.) Es ist ganz nützlich den beruflichen Gebrauch von Großformat und Idealformat, von 6×6 und kleiner erfahren zu haben. Linhof, Plaubel, Mamiya, Rolleiflex, Zenza Bronica. Leica (mit und ohne Spiegelkasten) und Olympus sind als Kameras durch meine Hände gegangen, ach ja, Polaroid sollte ich nicht vergessen.

Bilder werden weiterhin eher selten eingebunden.
Zum Betrachten von Bildchen gibt es bereits hunderte von Seiten und unendlich viele Bilder. Und wenn ich dann lese das sich Leute darauf einlassen ein Foto mit nicht mal 250kB in der technischen Ausführung zu beurteilen… Die Farben eines JPEG-Bildchen ansprechen, Artefakte und Tonwertabrisse ausmachen. - Wer benutzt einen kalibrierten Monitor? Hallo, schon mal etwas über die technischen Grundlagen von JPEG, über 8-bit Monitore und digitalisierte Bilder gelesen?

Dies Beispiel beleuchtet anschaulich wie unsicher die allermeisten Betrachter und Betrachterinnen sind ein Bild einzuordnen. Und überhaupt können eben so viele nicht damit leben noch sterben, wenn man als Berufsfotograf nicht weis was von einem bestimmten Foto zu halten ist. Was nicht nur mir mir immer wieder passiert Aber gerade dann wird Photographie richtig spannend.

Immer mehr treten im Intrenet jene Meinungen heraus, die ich teile. So halte ich den Spiegelkasten bei DSLR”””””””””””””””””””””””””””””””’’s (nicht im Mittelformat) für eine überholte technische Lösung, insbesondere im Zusammenhang mit weitwinkligen Objektiven. Und nun erscheint die technische Alternative wie ich diese für richtig halte, weil es dazu vermehrt Kundenstimmen gibt. Hochwertige elektronische Sucher (man beachte die Videokameras für Broadcast) und wechselbare Objektive in handlichen Gehäusen. Geht doch -

Bis demnächst im Blog.
Adrian Ahlhaus

© 2008 Adrian Ahlhaus. Alle Rechte beim Autor.

One Response to “2 Jahre - Und was hat es gebracht?”

  1. intermayer.com Says:

    Blick durch den Sucher - 2008-W40 und 41…

    Der Blick durch den Sucher - der Wochenrückblick auf die Fotografie-Szene - für Kalenderwochen 40 und 41.

    Highlight der Woche(n): James Nachtwey’s Charity -Projekt um auf extrem medikamentenresistente TB aufmerksam zu machen ist dem Mann Herze…