Fotos betrachten mit einer Software
Chice dunkle Oberflächen sind gefragt. Insbesondere die Farbe Anthrazit. Das ist angeblich professionell. Ausgedacht haben sich solche Stile diejenigen, die Neues selbst da produzieren, wo es nichts gibt, die Experten vom Marketing. Und schon sind alle dabei - aber nur fast.
Wer mit Fotos nicht nur herum spielt und wer Software anbietet die für einen ernsthaften Umgang mit Fotos gedacht ist, hat damit nix zu tun.
Was ist los? werden sich einige Leser und Leserinnen fragen. Stimmt etwas mit der Oberfläche meiner Bildbearbeitung oder des RAW-Konverters nicht? - Tatsächlich stimmt etwas grundsätzlich nicht. Das ist die Oberfläche dieser Programme, wenn die neueren Versionen im Zustand ihrer Auslieferung zu sehen sind. Und dieser Zustand ist für viele unerfahrene Nutzer und Nutzerinnen schlichtweg ein Maßstab, der erhalten bleibt. Dabei ist die Wahl der Oberflächenfarbe noch wichtiger, als ein kalibrierter Monitor dies ist.
Üblicherweise verläuft die Farbwiedergabe eines Monitors nicht linear. Das heißt nicht alle Stufen der Helligkeit werden neutral wiedergegeben. Weiß hat eine andere Farbgebung als Schwarz oder in den Graustufen. Jedoch, welcher Maßstab ist für das Auge der Betrachter wichtig?
Es ist die Umgebung, zum Beispiel das Umgebungslicht. Das Gehirn vergleicht die Seheindrücke, erschafft aus diesen ein “neutrales” Farbensehen. So sind nicht mehr die vom Weiß abweichenden Farben einer hellen Lichtquelle erkennbar, sondern wie beim Weißabgleich einer Kamera wird eine Farbverschiebung weitgehend neutralisiert. Das funktioniert selbst bei Glühlampen und Leuchtstoffröhren weitaus besser als mit technischen Geräten.
Nun, beim Betrachten von Bildern ist die unmittelbare Referenz das allerwichtigste für jede Beurteilung. Dem wird jeder halbwegs verständige Leser zustimmen können. Und warum ist dann die Farbe Anthrazit so beliebt als Oberfläche von Software? Weil es zeitgemäß wirkt ist und sonst nichts.
Doch nun ist die Farbe Anthrazit als unmittelbares Umfeld im Blick und dient dem Gehirn zur Referenz, zur Bestimmung von Leuchtkraft und Farbabgleich. Aber macht das Sinn?
Keinen. Im Gegenteil, eine fast schwarze Oberfläche verfälscht den Seheindruck ebenso, wie dies eine weiße täte
Für die Balance oder Verteilung von Helligkeiten und Farben ist einzig ein mittleres Grau geeignet.
Schwarz steigert den Farbeindruck. Die Farben wirken stärker, ihre Leuchtkraft auf einem Monitor wird unrealistisch überhöht, Kontraste sind gesteigert. Umgekehrt, die Farbe Weiß dämpft diese Eindrücke. Was für einen Fernseher von Vorteil ist, für ein Monitorbild ist Schwarz ebenso ungeeignet wie Weiß.
Einzig das mittlere Grau ist als unmittelbares Umfeld, also die Oberfläche jeder Software zur Bildbeurteilung geeignet. Erst mit neutralmn Grau entsteht für den Seheindruck ein Referenz-Umfeld, das Helligkeiten, Kontraste und Farben beurteilbar macht. Da gibt es keine Wahl. Eine Software die nicht umschaltbar ist auf ein mittleres Grau ist ungeeignet. Gute Produkte bieten immer ein neutrales Grau als wählbare Alternative für den Hintergrund. Wer mit den Oberflächen “Anthrazit”, “Schwarz” oder “Weiß” arbeitet hat etwas Grundlegendes noch nicht verstanden und behindert sich selbst.
(c) 2008 Adrian Ahlhaus. Alle Rechte beim Autor.