Die Grenzen des Weiterkommens

Gleichgültig wie oft man Fotografieren kann, wie viele Fotos man macht oder welche Gelegenheiten sich bieten, aus sich selbst heraus ein „besserer“ Fotograf oder Fotografin zu werden hat Grenzen.

Den folgenden Text mag man auf mich persönlich beziehen und meine Fotos – im Internet gibt es daran Kritik genug, wenn auch öfter nur dumme. Doch diesen Text kann oder mag (?) jeder Leser und jede Leserin auf sich selbst beziehen, denn irgendwann steht man vor der Frage: Wie entwickle ich mich weiter? Einerseits richtet sich diese Frage an die eigene Person und zugleich an diejenigen, die mit ihren Reaktionen fremde Bilder beurteilen. Aber auch jene die mit Lobhudelei und Verriss leben sollen, sind und bleiben letztlich ratlos, denn kaum jemand wird völlig allein und nur für sich fotografieren, also ein Publikum suchen. Das Vorzeigen der fotografischen Ergebnissen oder Zwischenergebnisse ist wohl überall eines der Bemühen zu fotografieren.

Eine unbefriedigende Situation für die Fortentwicklung besteht immer dann, wenn jene Fragen unscharf bleiben die an an die eigenen Bildwerke gerichtet sind. Solch allgemeines: Wie geht es weiter und wie führen die eigenen Anstrengungen zu besseren Bildern? Diese Frage richtet sich nach innen an die eigene Aufgabenstellung und zugleich nach außen an die Erwartungen, wie ein Bild anders sein müsse, damit es „besser“ ankomme.

Gerade in Gesprächen, z.B. in Fotokursen, lassen sich die allgemeinen Defizite, über Bilder sprechen zu können, leicht entdecken. Das ist keineswegs ein Vorwurf. Es geht eher darum das trotz einer omnipräsenten medialen Welt nur sehr wenige Möglichkeiten vorhanden sind, um objektiver über Fotos sprechen zu lernen. Vorausgesetzt man ist nicht der Meinung das alle Bildwerke immer nur subjektiv gesehen werden können, eine Meinung die ich ablehne, denn Kunst ist an den Menschen gebunden. Ist Kunst ohne Menschen überhaupt möglich oder sinnvoll? Eine Verständigung über jenes das Kunst genannt werden kann ist immer abhängig von Sprache, also auch von Bildsprache, und von einem Mindestmaß an Empathie, um die Zusammenhänge des Kunstschaffens verstehen zu können. Doch Kunstgeschichte, freie Kunst oder Design werden nur die wenigsten studieren können. Alle anderen schnappen da und dort Begriffe auf, lesen oder hören undurchschaubare Wertungen und fast beliebige Meinungen. Wie fähig oder eher unfähig die Bildkritik im allgemeinen ist, das lässt sich in den Bildforen des Internets leicht aufzeigen. Eigentlich gibt es dort nur drei Wertungen: überschwengliche Zustimmung, nichtssagende Kommentare und Niedermachen. Ein winzig kleine Minderheit versucht als ernstzunehmende Kritiker zu reüssieren, allerdings klingt dies dann eher kleinkariert und selbstgestrickt. Woher soll es denn kommen, wenn die Akteure des Kunstbetriebes eine eher snobistische Selbstdarstellung pflegen.
In Foren des Internets „werden sie nicht geholfen“ – Ausnahmen mag es geben, aber gefunden habe ich diese nicht. Letztlich bleibt jeder und jede sich selbst überlassen, so sozial sich diese Netzwerke auch geben.

Nun, wie kommt man mit seinen Fotos weiter? Auch das zielt in mehrere Richtungen. Diejenige Frage die niemand anderes beantworten kann: Welche Ziele sollte man sich setzen? Sehen wir uns solche beispielhaft an.

- Nicht wenige wären schon damit sehr glücklich, wenn sie jene Bilder nachmachen können, die in den Medien auftauchen. Das ist ein so einfaches Ziel, wie es eine naive Haltung bleibt, denn gerade in Massenmedien ist der technische Aufwand bei Fotoproduktionen vielfältig und enorm hoch und bleibt selbst Fachleuten im Nachhinein undurchschaubar. Gerade darin liegt die Stärke vieler Fotos und foto-ähnlichen Bilder in den Medien. Sie geben die technischen Bedingungen ihrer Produktion nicht zu erkennen. Dafür bleiben diese bildlichen Produkte zumeist völlig banal, denn so wird der breite Zugang in die Medien erst möglich – für fast jeden Geschmack gefällig und breitest, ja beliebig interpretierbar zu sein.

- Auf bestimmte Motive sich zu begrenzen, also eine fotografische Sparte zu beherrschen, das zu wollen ist schon eine kluge Entscheidung. Persönliche Interessen, verbunden mit den entsprechenden Vorkenntnissen, und schon lassen sich die Ziele als Fragen einfacher formulieren. Die Chance darauf eine Antwort zu finden ist weitaus größer geworden. Zumindest im technischen Bereich. Denn hierbei geht es um Ausrüstung und Handwerk. Über das Nachmachen der üblichen Fotos kann man durchaus zu ungewöhnlichen Bildern finden. Das Problem besteht darin: es muss einem gesagt werden, dass man ungewöhnliche Fotos gemacht hat. Es bedeutet fähig zu sein zu erkennen, ob und in welcher Weise die vorgelegten Bilder einmalig sind. Das heißt nichts anderes als noch nicht oder sogar noch nie gesehenes vorzulegen. Kenntnisse von der allgemeinen Kunstgeschichte und speziell über die Geschichte der Fotografie lassen grüßen. Es ist für eine hilfreiche Beurteilung wesentlich, wenn eine Vorstellung davon besteht, wen man über die eigene Mappe befragen kann. Zugleich muss man sich durchringen einem Kreis von „Kollegen“ zuzugehören, was selten ein Problem sein wird. Denn dazu zu gehören ist bei fast allen Fotografen das oberste Ziel des eigenen Bestrebens. Mann oder Frau gilt damit als „anerkannt“. Das schafft Selbstbewusstsein, erzeugt so etwas wie ein fotografisches Zuhause und es lässt abschätzen welche kollegiale Wertschätzung existiert und wie weit die allgemeine Anerkennung geht. Es bedeutet allerdings nicht automatisch Geld verdienen zu können, denn dazu gehört ein geschäftstüchtiges Bestreben. – Seine Bilder umsonst zu verteilen bedeutet gar nichts.

- Wer nach völlig neuen Zielen sucht ist bestrebt etwas eher Unmögliches zu wagen. Das unbescheidene Ziel heißt die Bildgeschichte der Photographie ergänzen oder sogar revolutionieren zu wollen. Diese Trauben hängen allerdings sehr hoch, denn Fotos sind üblicherweise Zitate. Von hunderttausend Bildern mag eines wirklich neu sein. Es heißt aber nicht das dieses dann gut ist.
Es ist fast gleichgültig ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, wir leben in einer bereits gestalteten Welt. Wie diese Welt zu sehen ist, welche Emotionen bei Farben und Proportionen unsere Urteile bestimmen, welche Maßstäbe die Wahl der Motive bestimmen, so ziemlich alles lässt sich mit dem Blick in die Kunstgeschichte erklären.
Was die Sache nicht einfacher macht: man steht ziemlich allein. Aus der Biographie von Fotografen lässt sich ablesen wie die Voraussetzungen sind: handwerkliches Fachwissen und Geschick und eine fotografische Praxis, die die Existenz sichern. Mit Geduld an neuen Themen und Techniken zu experimentieren ist so eine Art Nebenbeschäftigung dieser Fotografen gewesen.

Fotografischen Absichten sind fast immer darauf gerichtet die eigenen Bilder zu zeigen. Ernst zu nehmende Bildkritiken an die Hand zu bekommen, freundschaftliche Beziehungen mit Ratgebern und Kollegen sind bei der eigenen Entwicklung eher unumgänglich. Kunst findet in sozialen Raum statt und die Photographie gehört dazu.
Das große Ziel und der Maßstab für Anerkennung ist vielfach das Verkaufen der eigenen Fotos. Nun gut, damit wird ein Geldwert benannt. Doch das ist lediglich der Ausdruck für den Nutzen den Photographie hat. Die soziale Einbettung ist eine andere Sache, obwohl diese häufiger etwas mit Geld zu tun hat. Allein die soziale Einbettung ist ein dauerhafter Maßstab für die Bedeutung in der Geschichte der Photographie. Wessen Bilder den nachfolgenden Genratione nichts sagen können, der oder die bleibt eine Randnotiz der Photographie. Doch selbst das gelingt nur ganz wenigen und hat auch noch mit Glücksfällen zu tun.
Man kann sich naheliegenden Zielen zuwenden, wenn der Spaß am Foto erhalten bleiben soll.

(c) 2008 Adrian Ahlhaus. Alle Rechte beiim Autor.

3 Responses to “Die Grenzen des Weiterkommens”

  1. arstraben Says:

    Hallo Adrian,

    Dein Artikel spricht mir aus dem Herzen, da mich das Thema fotografisches Weiterkommen zur Zeit sehr beschäftigt. Dazu passt auch das Buch (”Besser Fotografieren” von George Barr ISBN: 978-3898645430), das ich gerade lese, sehr gut. In dem Buch geht es nicht um irgendwelche Techniken (bessere Kamera, bessere Objektive, usw.) sondern vorallem im Kapitel 6 um die Bestimmung des eigenen Niveaus. Ich denke mit dieser Bestimmung der eigenen Position kann man dann auch wieder Ziele definieren, um besser oder auch anders zu werden.

    Und dabei kommt das von Dir genannte soziale Umfeld wieder zur Sprache. Man braucht die gute Kritik anderer Menschen um weiterzukommen. Doch dazu sollte man selbst auch in der Lage sein, gute und konstruktive Kritik zu Bildern zu äußern. Auch dieses Thema wird von George Barr in seinem Buch ausführlich beschrieben.

    Das Finden dieser Menschen, die diese Kritik geben können und wollen ist jedoch - aus meiner Sicht - das schwierigste Unterfangen. Mir ist es bisher leider in Fotocommunitys bzw. Fotoforen nicht gelungen. In Workshops sind diese Menschen nur für die Unterrichtszeiten zusammen. Mir würde ein monatlicher Termin vorschweben, an dem man sich trifft und die Fotos der anderen bespricht und kritisiert. Dann könnte jeder erzählen, woran er zur Zeit arbeitet und was er braucht, um weiterzukommen. Soweit meine Idealvorstellung!

    Ich gebe die Hoffnung nicht auf, irgendwann einmal einen solchen Zirkel von Leuten zu haben (früher hießen diese wohl Fotosalons).

    Viele Grüße
    Lars

  2. Adrian Ahlhaus Says:

    Hallo Lars.
    War gerade bei der Überarbeitung des Textes als der Kommentar angezeigt wurde. Das Buch kenne ich nicht, aber es ist ein wichtigeres Thema als etwa “Wie mache ich Makroaufnahmen von einer Blüte”. Denn die Haltung zur Photographie und nicht eine spezielle Technik zählt, also die Herangehensweise an fotografische Aufgaben, die zur Selbstkritik fähig macht. Zwischen dem Nachmachen und der Fähigkeit, das was man nachmacht zu verstehen, darin liegt jener Unterschied den kein Buch erklären kann. Man muss letztlich einem Menschen auf die Finger sehen und verstehen, wie ein Fotograf oder eine Fotografin sich einem Thema zuwendet, um die Arbeitshaltung nachzuvollziehend nachmachen zu können. Ist das verstanden dann klappt’’s mit einer eigenen Bildsprache. - Ob das von Georg Bar so gesehen wird, wess ich nicht.
    Alles Gute
    Adrian

  3. Schauplatz » Blog Archive » 10 Tipps für die fotografische Weiterbildung Says:

    [...] Themen, Herangehensweisen an die Fotografie kennen lernen. Einen bedenkenswerten Artikel über die Grenzen des Weiterkommens hat Adrian Ahlhaus vor einiger Zeit geschrieben. Ich selbst habe einige Zeit suchen müssen, [...]